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Zukunft säen

20.01.2026 – Quelle und weitere Informationen: sehen-und-handeln.ch

 

Vom 18. Februar bis zum 5. April findet wieder die Ökumenische Kampagne von HEKS/Brot für alle, Fastenaktion und «Partner sein» statt. Dieses Jahr liegt der Schwerpunkt auf der gerechten Verteilung von Saatgut. 

 

Die Zahl der Menschen, die Hunger leiden oder mangelernährt sind, nimmt weiter zu. Für die Ernährungssicherheit ist unter anderem Saatgutvielfalt entscheidend. Diese Vielfalt bildet die Basis für gesunde Nahrung, trägt zur Bewältigung von Klimakatastrophen bei und ermöglicht den Menschen im Globalen Süden positive Zukunftsperspektiven.

 

Der Fokus der Ökumenischen Kampagne 2026 liegt auf dem Recht von Bäuerinnen und Bauern, Saatgut untereinander zu teilen, weiterzuentwickeln oder verkaufen zu dürfen. Fastenaktion und HEKS unterstützen Gemeinschaften darin, ihre Grundrechte einzufordern. Rund 80 Prozent des weltweit genutzten Saatguts werden durch bäuerliche Saatgutsysteme erhalten und weiterentwickelt. Damit bilden sie die Grundlage für die Welternährung.

 

Saatgutvielfalt ist zentral für eine gesunde und nachhaltige Ernährung. Gemeinschaften, die nicht von importierten Nahrungsmitteln abhängig sind und zudem ihr traditionelles Wissen und ihre Praktiken bewahrt haben, sind widerstandsfähiger gegenüber Krisen. Zudem hat Saatgut für viele Menschen auch eine spirituelle Bedeutung. Es verbindet sie über Generationen hinweg und ist wie die Schöpfung eine Gabe, ein Geschenk für alle Menschen. Diese Grundhaltung versteht Saatgut als Erbe der Vorfahrinnen und Vorfahren. Es soll zum Nutzen aller bewahrt werden.

 

Laut Schätzungen der Welternährungsorganisation (Food and Agriculture Organization – FAO) sind in den letzten 100 Jahren 75 Prozent aller Kulturpflanzen verloren gegangen, in der EU sogar über 90 Prozent. Eine Konzentration auf wenige gewinnbringende Sorten und Kulturen gefährdet die Biodiversität und die Ernährungssicherheit der ganzen Menschheit.

 

Krisen zeigen, dass das heutige Ernährungssystem vorwiegend auf Marktlogik ausgerichtet ist. Die Versorgung und das Recht auf Nahrung der lokalen Bevölkerung sind somit zweitrangig. Im Gegensatz zum bäuerlich verwalteten Saatgutsystem fördert ein kommerzielles, agrarindustrielles System die Produktion von wenigen, laborgezüchteten Sorten. Diese sind auf chemische Dünge- und Pflanzenschutzmittel angewiesen und meist nur einmal keimfähig. Zudem sind sie oft durch Lizenzen geschützt. Internationale Handelsverträge und staatliche Kooperationen mit Agrarkonzernen stärken dieses kommerzielle Saatgutsystem.

 

Dadurch besteht die Gefahr, dass die traditionelle Praxis bäuerlicher Gemeinschaften, dieses Saatgut weiterzugeben oder zu verkaufen, kriminalisiert wird. Die Macht liegt bei globalen Konzernen wie Syngenta, die politischen Einfluss ausüben, um ihre Kontrolle über Saatgut abzusichern. Beim Kauf oder Erhalt von kommerziellem Saatgut ist die Wiederverwendung von solchem Saatgut aus der eigenen Ernte nicht erlaubt. So entsteht eine Abhängigkeit, die durch eigenes, lokal angepasstes Saatgut und agrarökologische Anbaumethoden vermieden werden kann.

 

Die Ökumenische Kampagne 2026 hat zum Ziel, die Menschen in der Schweiz dafür zu sensibilisieren, dass der Zugang und das Recht auf eigenes Saatgut die Grundlage für das Recht auf Nahrung und eine gesunde, vielfältige, kulturell verankerte Ernährung sind. Kleinräumige bäuerliche Strukturen, die agrarökologisch wirtschaften, werden gestärkt und in ihren Bemühungen unterstützt, in politische Entscheidungsprozesse einbezogen zu werden. Zudem werden Mittel gesammelt, um die Projekt- und Programmarbeit zur Ernährungssicherung zu fördern.

 

Recht auf Nahrung ist eines der Kernthemen, zu dem die Fastenaktion, das HEKS und «Partner sein» seit vielen Jahren arbeiten und entsprechende Expertise haben. National und international setzen sich die Organisationen für einen ganzheitlichen agrarökologischen Ansatz ein. Dabei stellen sie die politischen und sozioökonomischen Aspekte der Mitwirkung und der Rechte von Bäuerinnen und Bauern in den Vordergrund. In den Projektländern wird in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Landwirtschaft daran gearbeitet, die Ernährungssicherheit und die Stellung der Frauen zu stärken. Dank der Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen vor Ort tragen die guten Lösungsansätze langfristig Früchte.

 

Befreiendes Lachen

19.1.2026 – Marianne Weymann

 

Wenn ich dieser Tage über die Staffelegg fahre, beschleicht mich ein leises Neidgefühl. In den Dörfern hängen Girlanden über der Strasse, und an allen Ecken grinsen komische Figuren und Masken. Überall sieht man: Es ist wieder Fasnachtszeit.

 

In Aarau dagegen: rein gar nichts. Fasnacht findet hier nicht statt. Aarau ist reformiert geprägt, das Fricktal katholisch. Die Reformatoren standen mit der Fasnacht gar nicht auf gutem Fuss: Mit der reformierten Aufhebung der Fastenzeit gab es überhaupt keinen Grund mehr, vorher nochmal so richtig «die Sau rauszulassen», und die mit der Fasnacht verbundene hemmungslose Ausschweifung war den sittenstrengen Protestanten sowieso ein Dorn im Auge.

 

Eigentlich schade. Nicht wegen der Ausschweifungen, sondern weil solche Bräuche auch eine befreiende Wirkung haben. Auf den Laternen-Sujets in Basel (eine der wenigen Fasnachten mit reformiertem Hintergrund) sieht man, wie sowohl die lokale als auch die Weltpolitik durch den Kakao gezogen wird. Und wenn wir dann zum Beispiel über eine groteske Karikatur von Donald Trump lachen (der Mann eignet sich bestens dafür), können wir unsere Angst vor dieser gewaltigen Macht in sehr zweifelhaften Händen beiseitelassen.

 

Lachen schafft Distanz und damit Entlastung von einer als bedrückend empfundenen Ohnmacht. Und kann damit sogar Kraft dafür geben, sich trotz allem nicht unterkriegen zu lassen und sich weiter für eine bessere Welt einzusetzen. Diktatoren verabscheuen dieses Lachen. Handkehrum gibt es nirgendwo so viele Witze über die jeweiligen Machthaber wie in Diktaturen.

 

Vielleicht gelingt es den Basler Magistraten sogar (anders als den Diktatoren) angesichts «ihrer» Sujets über sich selbst zu lachen. Das ist ein grosser Vorteil: Wer über sich lacht, muss nicht so tun, als ob er perfekt wäre, kann Schwächen annehmen und ärgert sich weniger. In diesem Sinn: Viel Spass!

 

Jahreskollekte 2026

19.01.2026 – Sandrine Knechtli

 

Die Reformierte Kirche Aarau hat 2025 damit begonnen, eine «Jahreskollekte» durchzuführen. Um mit den Kollekten mehr Wirkung zu erzielen, sollen schwerpunktmässig jeweils zwei Einrichtungen über das ganze Jahr hinweg immer wieder berücksichtigt werden. Auch 2026 stehen zwei Einrichtungen im Fokus, deren wertvolle Arbeit unsere Unterstützung verdient.

 

Verein Aurora

In der Schweiz sterben jedes Jahr etwa 2000 Mütter und Väter – für das andere, hinterbliebene Elternteil und für ihre Kinder bricht von einem Tag auf den anderen eine Welt zusammen.

 

Der Verein Aurora wurde 1996 gegründet und ist eine Gemeinschaft verwitweter Mütter und Väter mit minderjährigen Kindern, die sich nach dem Verlust der Partnerin oder des Partners gegenseitig unterstützen, begleiten und ermutigen. Der Verein bietet Raum für Austausch, Verständnis und neue Perspektiven – bei regionalen Treffen, gemeinsamen Ausflügen und Ferien.

 

Das Engagement entsteht durch eigene Betroffenheit. Jedes Mitglied hat die Partnerin oder den Partner durch Krankheit, Unfall oder Suizid verloren, als die Kinder noch minderjährig waren.

 

Im Verein Aurora finden Menschen Raum für Austausch, neue Perspektiven sowie gegenseitige Unterstützung und Beratung – von Betroffenen für Betroffene. Auch ist es ein Anliegen, die Interessen von Verwitweten und ihren Kindern in Gesellschaft und Politik zu vertreten und den Tod – vor allem junger Menschen – zu enttabuisieren.

 

Der Verein ist politisch und konfessionell neutral, unabhängig und arbeitet ausschliesslich gemeinnützig.

 

Waldenserkirche

Die Waldenserkirche ist eine Minderheitskirche in Italien. Sie geht auf den Gründer Valdo (auch unter dem Namen Valdes oder Valdesius bekannt) aus Lyon zurück, der im 12. Jahrhundert eine christliche Reformbewegung auslöste. Im Jahr 1532 schlossen sich die Waldenser der Reformation in Europa an. Über sechs Jahrhunderte wurden sie unterdrückt und vor allem im 16.–17. Jahrhundert hart verfolgt.

 

Die Waldenser fühlen sich als freie Christinnen und Christen, mit eigener, auf der Bibel beruhender Überzeugung.

 

Heute befinden sich die Waldenser immer noch in einem schwierigen Umfeld. Dank ihrer Offenheit gegenüber den gesellschaftlichen und menschlichen Problemen der heutigen Zeit wird die reformierte Stimme der Waldenser in Italien wahrgenommen und geachtet.

 

Ein Schwerpunkt der Waldensertradition ist die Diakonie, der Dienst am Nächsten. Sie zeigt sich in zahlreichen sozialen Werken wie Kindergärten, Schulen, Jugend- und Altersheimen, Spitälern, Ferien- und Kurszentren, Gästehäusern sowie im Einsatz für Flüchtlinge und Migrantinnen und Migranten. Für die Ausbildung von Pfarrpersonen wird in Rom eine theologische Fakultät betrieben, und in Turin besteht ein eigener Verlag.

 

Insgesamt zählt die Waldenserkirche rund 22 000 Mitglieder sowie Sympathisantinnen und Sympathisanten: 19 000 in über 150 Kirchgemeinden in ganz Italien und 3000 in Ablegern am Rio de la Plata in Uruguay.

90 Sekunden

31.12.2025 – Daniel Hess

 

Neues Jahr, neue Preise! Alles wird teurer: das Skifahren und die Krankenkasse. Nur das Brot wird billiger. Die Grossverteiler senken auf Teufel komm raus die Preise. Mittlerweile ist ein Pfünderli sogar für weniger als einen Franken zu haben. Während anscheinend viele bereit sind, für Schokolade aus Dubai ein Vermögen auszugeben, darf «unser täglich Brot» nichts mehr kosten.

 

Das einst hochgeschätzte Grundnahrungsmittel verkommt zum Wegwerfartikel. Musste ein Durchschnittsverdiener 1939 noch 9,5 Minuten arbeiten, um ein Pfünderli kaufen zu können, so reichen heute dafür gerade mal 90 Sekunden.

 

Natürlich, wir leben in einer Zeit, in der vieles effizienter, schneller und günstiger produziert werden kann. Doch beim Brot fühlt es sich fast so an, als werde da nicht nur bei den Zutaten und der Zeit gespart, sondern auch am Sinn. Denn Brot war nie nur Nahrung. Es war immer auch ein Symbol für das, was uns trägt. In unserer christlichen Tradition steht das Brot für das Leben und die Fülle, für Gemeinschaft und Dankbarkeit. Brot macht nicht nur satt, sondern bringt Menschen zusammen, spendet Trost und nährt die Hoffnung.

 

Ist es Zufall, dass in einer rein auf Effizienz getrimmten Gesellschaft nicht nur das Brot immer billiger wird, sondern auch der Wert des Wesentlichen mehr und mehr auf der Strecke bleibt? Und wollen wir das? Oder wie wäre es, wenn wir das neue Jahr zum Anlass nehmen würden, uns den Wert des Brotes und unserer christlichen Wurzeln wieder neu bewusst zu machen? Früher erfüllte diese Funktion mancherorts das Tischgebet. Und dies umso zuverlässiger, je regelmässiger man es pflegte. Zugegeben: Ein solches Tischgebet verändert nicht die Welt. Aber es hilft mir, da und dort über den eigenen Tellerrand hinauszublicken. Und vielleicht erinnert es mich auch daran, vermehrt nach Inhalt zu fragen, anstatt jedem Schnäppchenpreis hinterherzujagen. Viel Zeit braucht ein solches Gebet übrigens nicht. 90 Sekunden dürften dafür mehr als reichen.

Ein Gottesdienst, der verbindet: zwei Perspektiven

31.12.2025 – Saskia Urech

 

Mit dem Evensong haben wir vor zwei Jahren in unserer Gemeinde ein neues Format ausprobiert: ein ruhiger Abendgottesdienst mit viel Musik, Gebet und Raum zum Innehalten. Besonders schön daran: Jüngere und Ältere gestalten die Abendfeier gemeinsam. Wie ist das eigentlich für diejenigen, die mitmachen? Alicia Dubs (18) und Theo Amstutz (68) vom Evensong-Team erzählen, wie sie den Evensong bisher erlebt haben.

 

Wie seid ihr dazu gekommen, beim Evensong mitzumachen?

Alicia Dubs: Saskia erzählte mir, dass es ein neues Format geben würde. Ich war sofort davon begeistert. Sie sagte mir, es wäre auf jenen Gottesdienst angelegt, den wir in unserem Nachkonflager in Berlin besuchten, bei dem wir alle gemeinsam vorne in einem Halbkreis das Abendmahl zu uns
genommen haben. Diese Idee fand ich sehr schön und auch, dass die Gemeinde ein wenig aktiver mitmachen kann und viel gesungen wird.

Theo Amstutz: Ich wurde durch eine Pfarrperson angefragt und nach meiner Zusage vermittelt.

 

Was hat euch an der Idee eines generationenübergreifenden Gottesdienstes besonders angesprochen?

Alicia: Ich finde es sehr schön, mit Menschen verschiedenen Alters zusammen zu sein. Dadurch ist die Stimmung im Team auch sehr ausgeglichen. Im Alltag bin ich fast nur umgeben von Leuten in meiner Altersklasse und deshalb finde ich es umso schöner, beim Evensong diese Abwechslung zu erleben.

Theo: Der Gedanke, ein Format zu unterstützen, bei dem Jugendliche sich engagieren können, war meine Motivation. Sich aktiv zu beteiligen, verbindet, bietet die Möglichkeit, Distanz zu überwinden und einander verstehen zu lernen.

 

Hattet ihr vorher schon Erfahrungen mit der Gestaltung von Gottesdiensten?

Alicia: Ja, ich habe anderen Pfarrpersonen geholfen, das Abendmahl auszuteilen. Ich habe auch schon Lesungen gemacht oder Fürbitten vorgetragen. Aber ein fester und konstanter Teil in einem Team zu sein, war neu für mich.

Theo: Nicht direkt, ausser über mein Mitmachen in der Kantorei.

 

Wie erlebt ihr den Evensong – aus der Sicht der Mitgestaltung und nicht nur der Teilnahme?

Alicia: Für mich ist der Evensong etwas sehr Beruhigendes und sehr Angenehmes. Gerade dadurch, dass wir nur im Chor der Kirche sind, ist das Sprechen vor den Menschen einfacher. Ich finde es auch sehr persönlich, was mir sehr gefällt. Durch das Abendmahl hat man mit den Leuten direkten Kontakt. Und da wir immer um die fünf Leute vom Team sind, können wir uns gut abwechseln.

Theo: Ich kann trotz Einsatz genauso zur Ruhe kommen. 

 

Gab es etwas, das euch beim Leiten eines Gottesdienstes überrascht hat?

Alicia: Nicht wirklich. Ich wurde gut darauf vorbereitet. 

Theo: Ich habe mir vorgestellt, ich könnte frei vor der Gemeinde stehen, aber ich war dann doch zu sehr auf meine Notizen fixiert.

 

Was funktioniert gut in der Zusammenarbeit zwischen Jung und Alt? Und gibt es auch Herausforderungen?

Alicia: Ich finde, im Allgemeinen funktioniert es super. Ich habe jetzt keine Situation im Kopf, in der es gar nicht ging. Man kommt immer irgendwie miteinander klar. Das Einzige, was mir einfällt, wäre, dass wir teilweise unterschiedliche Wege haben, die Dinge anzugehen, aber dies führte nie zu Konflikten, sondern half eigentlich nur, einander zu verstehen und neue Ideen zu bekommen.

Theo: Für mich ist die grösste Herausforderung, dass man sich nicht wirklich kennt. Ausserhalb vom Evensong begegnet man sich kaum und im Gottesdienst selbst sind wir auf unsere Aufgaben konzentriert. Die Zusammenarbeit ist prima.

 

Der Evensong ist sehr musikalisch geprägt – wie empfindet ihr das viele Singen und Beten?

Alicia: Das ist für mich genau das, was der Evensong ausmacht und von den anderen Gottesdiensten unterscheidet. Und ich liebe es! Für mich sind das Beten und Singen von grosser Bedeutung und ich finde es wunderschön. Es ist aktiver für alle Teilnehmenden, sehr abwechslungsreich und dennoch so beruhigend.

Theo: Für mich ist Singen die schönste Form der Anbetung. Im Beten suche ich die Nähe zu Gott. Da bieten Psalmen eine gute Möglichkeit.

 

Wie fühlt sich die Möglichkeit zur Interaktion mit der Gemeinde an? Ist das bereichernd oder eher ungewohnt?

Alicia: Ich finde es sehr schön, mit der Gemeinde zu interagieren. Es ist mega berührend, wenn nach dem Gottesdienst die Leute zu dir kommen und sagen, wie schön sie es fanden. Klar war es beim ersten Mal vielleicht ein wenig unangenehm, einfach weil es ungewohnt war. Im Laufe der Zeit fühlt es sich recht normal an und macht super viel Spass.

Theo: Beides. Für mich ist dies eine ungewohnte Bereicherung.

 

Was bleibt besonders in Erinnerung, wenn ihr auf die ersten beiden Jahre Evensong zurückblickt?

Alicia: Der Moment, als ich mal die Fürbitten machen musste und dann eine ältere Dame zu mir kam und mir voller Freude mitteilte, wie schön sie meine Fürbitten fand. Und einfach allgemein finde ich die Gemeinschaft sehr stark und angenehm.

Theo: Ich kannte das Format nicht. Der gleichbleibende Ablauf mit nur kleinen Variationen erlaubt mir, mich am Bekannten zu orientieren und dies auch zu vertiefen. Für mich ist das ein Element, um Ruhe zu finden. Dafür finde ich den Sonntagabend perfekt und es ist ein guter Einstieg in die neue Woche.

 

Ein Wort, das den Evensong für euch beschreibt...

Alicia: Wohlfühlmoment.

Theo: Ruhe vor Gott.

 

Ein Gefühl, das geblieben ist...

Alicia: Geborgenheit.

Theo: Besinnlichkeit.

 

Ein Wunsch für die Gemeinde...

Alicia: Kommt und geniesst es!

Theo: Integration der Gemeinde in das Gottesdienstgeschehen.

 

Zu den Terminen

 

Live aus der Stadtkirche – auch an den Festtagen!

3.12.2025 – Sandrine Knechtli

 

Wind und Wetter oder ein anderer Grund verhindern, dass Sie den Gottesdienst in der Stadtkirche besuchen können? Kein Problem! Wir begrüssen Sie gerne auch am Bildschirm zu Hause oder unterwegs.

 

24. Dezember 2025, 22.30 Uhr – Christnachtfeier (Dagmar Bujack)

25. Dezember 2025, 10.00 Uhr – Weihnachtsgottesdienst (Saskia Urech)

 

Das Livestreaming ist ein Jugendprojekt der Reformierten Kirche Aarau. Ausgebildete Jugendliche filmen die Gottesdienste und stellen sie auf Youtube. Während den Schulferien werden die Gottedienste nicht aufgenommen.

 

Live können die Gottesdienste jeweils sonntags um 10.00 Uhr auf YouTube mitverfolgt werden. In der folgewoche können diese ebenfalls nachgeschaut werden.

 

Jetzt Gottesdienst verfolgen oder nachschauen: YouTube 

Danke für neun Jahre Inhalte – und über 2,5 Millionen Zeichen!

30.11.2025 – Sandrine Knechtli, Bild: Regula Hunziker

 

Neun Jahre lang hat Marianne Weymann «reformiert.informiert» geprägt – mit Haltung, Einsatz und Herz. In dieser Zeit hat sie nicht nur die Redaktion geführt, sondern auch das Layout erstellt, Fotos beigesteuert und den Druck organisiert. Vor allem aber hat sie unzählige Beiträge angestossen, zugespitzt und auf den Punkt gebracht. Und ja, das läppert sich: über den Daumen gepeilt mehr als 2,5 Millionen geschriebene Zeichen produziert!

 

Marianne Weymann hat unsere Gemeindebeilage kontinuierlich weiterentwickelt. Sie hat unter anderen Rubriken wie «Sakristeigeflüster» und «Vor langer Zeit» eingeführt und gepflegt – und damit den Blick geweitet: auf die Gegenwart und das, was relevant ist; nach vorne auf das, was ansteht; und zurück auf das, was Kontext gibt. Sie hat geplant, getextet, redigiert, überschriftenfähig gemacht, wohl auch in letzter Minute noch einmal recherchiert – und dabei stets die Balance zwischen Tempo und Sorgfalt gehalten.

 

Das gesamte Team der Reformierten Kirche Aarau kennt und schätzt ihre Art: vorausschauend, konstruktiv in der Zusammenarbeit, klar in den Aussagen und präzise im Wort. Wo es passte, auch gern mit Biss – um zum Nachdenken anzuregen. Sie stellte hohe Ansprüche an sich und das Team, war aber stets bereit, die Extrameile zu gehen, wenn es der nächsten Ausgabe diente. «Alleskönnerin» trifft es besser als jedes geflügelte Wort: Als Theologin und Pfarrerin mit zusätzlicher journalistischer Ausbildung, sicherem Stil und redaktioneller Übersicht verband sie Perspektiven, die sonst selten zusammenfinden.

 

Ein Abschied ist es dennoch nicht. Marianne Weymann bleibt der Kirchgemeinde Aarau erhalten: Seit dem 1. November ergänzt sie das Team der Pfarrpersonen mit einem Pensum von 40 Prozent. Gut so. Wir verabschieden uns daher nicht von einer Person, sondern von einer Rolle, die sie über fast ein Jahrzehnt mit Substanz gefüllt hat.

 

Das gesamte Team der Reformierten Kirche – ja, die ganze Kirchgemeinde – sagt: «Herzlichen Dank für Zusammenarbeit, unermüdlichen Einsatz, unzählige Beiträge – und über 2,5 Millionen sorgfältig gesetzte Zeichen.»

 

Auf die nächste Ausgabe freuen wir uns weiterhin – nun mit Marianne Weymann in einer anderen Rolle. Was bleibt: das Niveau, das sie gesetzt hat, und der Anspruch, den sie uns hinterlässt. Merci, Marianne! Auf das nächste Kapitel!

Eine Million Sterne

30.11.2025 – Marianne Weymann, Bild: Nathalie Phillip

 

Samstag, 13. Dezember, 16.00 Uhr, Kirchplatz

 

Im Rahmen der Aktion «Eine Million Sterne» entzünden unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden zusammen mit Caritas-Mitarbeitenden auf dem Kirchplatz ein Kerzenbild. Diese Aktion findet schweizweit an über hundert Orten statt und soll ein Zeichen der Solidarität mit armutsbetroffenen Menschen in der Schweiz setzen. Zudem werden Glühwein und Kuchen angeboten. Alle sind herzlich willkommen, die Aktion zu unterstützen!

SRF überträgt Adventsgottesdienst live aus der Stadtkirche Aarau

21.11.2025 – Sandrine Knechtli

 

Am 1. Advent, Sonntag, 30. November 2025, kommt das Schweizer Radio und Fernsehen SRF nach Aarau: Der reformierte Adventsgottesdienst aus der Stadtkirche Aarau wird um 10.00 Uhr live auf SRF 1 übertragen.

 

Die Reformierte Kirche Aarau freut sich, mit diesem Gottesdienst Teil der landesweiten Reihe von Fernsehgottesdiensten zu sein, die SRF in Zusammenarbeit mit ausgewählten Kirchgemeinden in der ganzen Deutschschweiz realisiert.

 

Geleitet wird der Gottesdienst von Pfarrerin Saskia Urech und Pfarrer Daniel Hess. Für die musikalische Gestaltung sorgen die Kantorei der Stadtkirche Aarau und der Jugendchor Virini, beide unter der Leitung von Dieter Wagner, sowie Organist Ilia Völlmy. Zudem erklingen neben bekannten Adventsliedern neue Töne von «enchanté» – einer Initiative, die das gemeinsame Singen in den reformierten Kirchen fördert.

 

Die Feier steht unter dem Titel «Momente des Schweigens». Im Zentrum des Gottesdienstes steht die biblische Begegnung zwischen Zacharias und dem Engel – der Moment, in dem Zacharias verstummt. Von dort aus entfaltet die Predigt das Thema Sprachlosigkeit: Was bedeutet es damals wie heute, sprachlos zu sein – gerade, wenn es darum geht, über Gott und Glauben zu sprechen? Und wie kann trotzdem von Gott erzählt werden?

 

Interessierte sind herzlich eingeladen, den Gottesdienst entweder vor Ort in der Stadtkirche Aarau mitzufeiern. Aus organisatorischen Gründen werden Gottesdienstbesucherinnen und -Besucher gebeten, sich bereits um 9.40 Uhr einzufinden.

 

Interviev mit der kirchlich Beauftragten vom SRF, Andrea Aebi

 

Haben Sie den Adventsgottesdienst verpasst? Kein Problem hier können Sie den Gottesdienst und Nachgefragt nachschauen.

 

Reformierter Adventsgottesdienst aus Aarau AG - Play SRF

Advent – Sehnsucht nach Licht und Ruhe? - Nachgefragt - Play SRF

 

Ein neues Mitglied in der Kirchenpflege und zwei neue Mitarbeitende im Dienst der Kirchgemeinde

20.11.2025 – Sandrine Knechtli 

 

An der Kirchgemeindeversammlung vom 19. November 2025 hat die Kirchgemeinde der Reformierten Kirche Aarau ein neues Mitglied der Kirchenpflege gewählt. Ruedi Wipf übernimmt das Amt für den Rest der laufenden Amtsperiode und tritt seine Funktion am 1. Januar 2026 an. Mit seiner Wahl ist die Kirchenpflege wieder komplett und weiterhin breit und kompetent abgestützt.

 

Für den Rest der Amtsperioden 2023/2026 wird Ruedi Wipf als Ersatz für die per Mitte 2025 zurückgetretene Kirchenpflegerin Eva Martin in die Kirchenpflege gewählt. «Mit Ruedi Wipf haben wir in der Kirchenpflege eine weitere Führungspersönlichkeit mit Format gewonnen», so Lukas Gysi, Präsident der Kirchenpflege. Ruedi Wipf ist Unternehmer. Er führt ein Software-Unternehmen, das auf Lösungen im Versicherungsmarkt spezialisiert ist. Seine Motivation, sich in der verantwortungsvollen Aufgabe in der Kirchgemeinde zu engagieren, beschreibt er schlicht und einfach: «Die Kirche ist eine wichtige Stütze der Gesellschaft. Gerne trage ich meinen Teil zum Allgemeinwohl bei.»

 

An der Kirchgemeindeversammlung wurden zudem zwei neue Mitarbeitende begrüsst, die das Team der Kirche Aarau bereits seit dem 1. November verstärken: Ilja Völlmy übernimmt die Aufgaben als Organist der Stadtkirche Aarau und ist begeistert von der Orgel: «Ein wunderbares Instrument. Sie hat sehr viele Klangfarben und ist wie gemacht für kreatives Schaffen.» Marianne Weymann ist zu 40 Prozent als Pfarrerin im Einsatz und wird – ebenfalls bis zum Ende der Amtsperiode – als Stellvertretung das Team der Pfarrpersonen ergänzen. «Ich freue mich sehr darüber, am Ende meiner beruflichen Laufbahn noch einmal als Gemeindepfarrerin amten zu können». Marianne Weymann war der Kirchgemeinde in den letzten neun Jahren als Redaktorin der Gemeindebeilage «reformiert.informiert» bekannt.

 

Die Kirchenpflege freut sich über die personelle Verstärkung und ist überzeugt, dass der neue Kollege und die die neuen Mitarbeitenden mit ihrer Erfahrung und ihrem Engagement das Leben der Reformierten Kirchgemeinde Aarau nachhaltig bereichern werden.

 

Zur ofiziellen Seite mit allen Informationen der Kirchgemeindeversammlung

Synode 19. November 2025

20.11.2025 – Sandrine Knechtli

 

Die Synode ist das Parlament der Aargauer Landeskirche – die Legislative, analog dem Grossen Rat des Kantons Aargau. Der Kirchenrat entspricht als Exekutive dem Regierungsrat. Das Rekursgericht der Landeskirche stellt die Judikative dar.

 

Die Herbstsynode 2025 begann um 8.15 Uhr mit einem Gottesdienst in der Stadtkirche Aarau. Der Gottesdienst wurde von Pfarrer Dieter Gerster, Oftringen, gestaltet. Die Kollekte war für Stiftung Hilfe für Mutter und Kind bestimmt. Die Verhandlungen fanden von 9.15 bis 17 Uhr im Grossratssaal in Aarau statt.

 

An der Herbstsynode der Reformierten Landeskirche Aargau am 19. November 2025 im Grossratssaal Aarau zeigten die anwesenden 134 Synodalen ihr Vertrauen in den laufenden Kirchenreformprozess:

 

  • Mit deutlichen Mehrheiten wurden zentrale Reformvorlagen verabschiedet.
  • Die Mindestkriterien für autonome Kirchgemeinden und die erweiterten Interventionsmöglichkeiten des Kirchenrats wurden angenommen.
  • Einem Grundsatzentscheid zu unentgeltlichen kirchlichen Handlungen wurde zugestimmt.
  • Die Aufsichtsfunktion des Kirchenrats bei Konflikten in Kirchgemeinden wurde gestärkt.
  • Das Wahlverfahren in der Synode wurde vereinfacht.
  • Die organisatorische Flexibilisierung des Kirchenratspräsidiums fand Zustimmung.
  • Budget 2026 und Finanzplan 2026-2029 wurden bewilligt.

Ilja Völlmy: «Kirche ist nichts ohne Leute»

6.11.2025 – Marianne Weymann

 

Am ersten November hat Ilja Völlmy seine Stelle als Hauptorganist an der Stadtkirche angetreten. Er freut sich sehr auf die neue Herausforderung.

 

«Völlmy» - schweizerischer geht es kaum. Leicht zu merken, leicht zu schreiben, leicht auszusprechen. Früher war das anders. Da lautete der Familienname von Ilja noch «Kudrjavtsev», in unseren Breiten ein Zungenbrecher. Aus diesem Grund entschied er sich vor Kurzem, nur noch den Nachnamen seiner Ehefrau Annina zu tragen, das macht es wesentlich einfacher.

 

Die beiden lernten sich in Iljas Heimatstadt St. Petersburg kennen, wo Annina Cello studierte, während Ilja schon als Organist arbeitete. Bei den Lutheranern, denn in der orthodoxen Kirche gibt es keine Orgelmusik. 2008 heirateten die beiden. Ilja arbeitete damals in London, die Baselbieterin Annina war in ihre Heimat zurückgekehrt. Für die geplante Familiengründung suchte das Paar einen gemeinsamen Wohnort, und die Wahl fiel auf Liestal. Dort trat der damals 26-Jährige 2009 seine Stelle als Organist der Stadtkirche an. Jetzt hat er sie für Aarau verlassen.

 

Ganz einfach ist der Abschied nicht. «Ich habe mich in Liestal immer sehr wohlgefühlt», sagt Völlmy.  «Die Gemeinde war für mich auch eine Heimat». Und das ist ihm wichtig. Es gehe ihm nicht nur um Orgelspielen und Geldverdienen, sondern auch um das Engagement im jeweiligen Umfeld, sei es bei den Lutheranern in Russland, den Methodisten in England oder eben den Reformierten in Liestal. Denn, so betont er: «Kirche ist nichts ohne Leute».

 

In Liestal stimmte das Umfeld, aber die Anstellungsbedingungen waren nicht ideal. Die Gemeinde ist zu klein, um mehr als eine 25-Prozent-Stelle zu finanzieren. Das heisst, Völlmy brauchte immer noch vier bis fünf Nebenjobs, um den Lebensunterhalt zu finanzieren, und das an den verschiedensten Standorten. Inzwischen hat das Paar zwei Kinder. «Mit Familie wurde mir das zu viel», sagt er. «Ich will nicht mehr in der halben Schweiz tätig sein.»

 

Und warum Aarau? Zum ersten Mal hat Völlmy 2010 von der Gemeinde gehört, durch seine Kollegin Nadia Bacchetta. 2019 lud sie ihn dann zu einem Konzert ein. Das war die erste Erfahrung mit der Aarauer Orgel. «Ein wunderbares Instrument», sagt Völlmy. «Sie hat sehr viele Klangfarben und ist wie gemacht für kreatives Schaffen.»

 

Weitere Konzerte folgten, zuletzt 2023, als Völlmy mit seinem Kölliker Chor beim «Klingenden Adventskalender» auftrat. «Nach und nach habe ich mehr von der Gemeinde kennengelernt», so Völlmy.

 

Und jetzt stellt sich natürlich die Frage: Kann auch Aarau eine neue Heimat werden? Völlmy ist da sehr zuversichtlich: «Aarau eine aktive Kirchgemeinde mit einem reichhaltigen Angebot. Die Menschen sind positiv und freundlich, und jeder weiss, was er oder sie machen muss. Ich freue mich sehr auf die Arbeit hier».

 

Nach dem Überfall Russlands 2022 hat Völlmy dezidiert Partei für die Ukraine ergriffen. «Ich konnte dazu nicht schweigen», sagt er. Sofort sagte er sämtliche geplanten Konzerte in Russland ab und begann, die Ukraine mit Benefizkonzerten zu unterstützen. «Ich weiss nicht mehr, wie viele das waren», sagt er. «Allein im ersten Jahr waren es acht.» Das Geld geht an Stiftungen, die lebensnotwendige Dinge für die ukrainische Bevölkerung beschaffen. Medikamente zum Beispiel oder Stromgeneratoren, wenn wieder einmal ein Kraftwerk lahmgelegt wird.

 

Die Konsequenzen für Völlmy sind hart. Er kann nicht mehr nach Russland reisen, um Familie oder Freunde zu besuchen. «Das Risiko, wegen Landesverrats zwanzig Jahre hinter Gitter zu kommen, ist einfach zu gross», sagt er. Auch die Beziehung zu den Eltern ist sehr schwierig geworden, weil diese noch fest in der Putin-Propaganda verhaftet sind.

 

Was Völlmy zuversichtlich stimmt: «Ewig kann das nicht mehr so weitergehen. Die Machthaber sind alt, das System ist instabil», sagt er. «Und in zwanzig Jahren bin ich immer noch jung genug, um wieder nach Russland zu reisen.»

 

«Ich bin die Übersetzerin»

31.10.2025 – Marianne Weymann

 

Am 1. Advent kommt das Schweizer Radio und Fernsehen SRF nach Aarau und strahlt von dort live den Sonntagsgottesdienst in der Stadtkirche aus. Wir haben die kirchliche Beauftragte Andrea Aebi gefragt, was es für einen TV- und Radiogottesdienst braucht.

 

Frau Aebi, Sie sind Radio- und Fernsehbeauftragte der Refor­mierten Medien und in dieser Funktion gemeinsam mit dem SRF zuständig für die reformier­ten Fernseh- und Radiogottes­dienste. Wie viele gibt es davon im Jahr?

SRF strahlt in der Regel jeden Mo­nat eine religiöse Feier am Radio und Fernsehen aus. Dabei handelt es sich mehrheitlich um reformier­te und römisch-katholische Got­tesdienste. Hinzu kommen zwei Feiern anderer Kirchen oder nicht­christlicher Gemeinschaften.

 

Wann beginnen Sie mit der Pla­nung für einen Gottesdienst?

Die Vorbereitung fängt eineinhalb bis zwei Jahre vor der Ausstrah­lung mit der Suche nach einer ge­eigneten Kirchgemeinde an.

 

Was bedeutet «geeignet» in die­sem Zusammenhang?

Wichtig ist, dass die Gottesdienst-orte einigermassen gleichmäs­sig über die Deutschschweiz ver­teilt sind. Weiter braucht es einen Pfarrer oder eine Pfarrerin, der oder die bereit ist, sich den vielfäl­tigen Anforderungen zu stellen. In Aarau sind es Daniel Hess und Saskia Urech. Wichtig ist auch die Musik. Diese sollte, weil sie im TV und Radio ausgestrahlt wird, mög­lichst professionell sein. In Aarau freuen wir uns auf den bekann­ten Kirchenmusiker und Kantor Dieter Wagner. Eine weitere zentrale Rolle vor Ort nimmt der Si­grist oder die Sigristin ein. Auch das Kirchengebäude muss für eine Radio- und Fernsehproduktion ge­eignet sein.

 

Geht es da um ästhetische Kriteri­en? Sind das immer «schöne» Kir­chen wie Aarau?

Überhaupt nicht, im Gegenteil ist es mir wichtig, die Vielfalt der Kir­chengebäude zu zeigen. Wesentlich ist, dass genügend Platz vorhanden ist, um die TV- und Radio-Technik unterzubringen, am besten mög­lichst diskret. Das heisst etwa, dass die nötigen Anschlüsse im Gebäu­de vorhanden sind und nicht bei­spielsweise eine Stromleitung über die Strasse gelegt werden muss. Zu­dem sollte die Kirche für die Über­tragungs- und Materialfahrzeuge gut erreichbar sein.

 

Wann muss der Ablauf festste­hen?

Einen ersten Entwurf gibt es etwa ein Jahr vor der Übertragung des Gottesdienstes. Ich unterstütze die Kirchgemeinden dabei und erklä­re, was helfen kann, damit die Men­schen am Radio oder Fernseher möglichst gut mitfeiern können.

 

Was wäre das?

Auf alle Fälle sind es kürzere Ein­heiten während des Gottesdienstes als gewohnt. Denn die Aufmerk­samkeitsspanne am TV und Radio ist geringer, als wenn die Menschen direkt im Kirchenraum mitfeiern. Weiter sollte darauf geachtet wer­den, dass nicht zu viele Personen am Gottesdienst mitwirken. Das nämlich könnte fast schon verwir­rend daherkommen. Im Ganzen muss der Gottesdienst eine erleb­bare Dramaturgie haben. Das kann für die Kirchgemeinden eine Her­ausforderung sein, denn sie müs­sen über ihren gewohnten Rahmen hinausdenken. Ich bin da eine Art Übersetzerin zwischen dem SRF und den Kirchgemeinden.

 

Was kommt als Nächstes?

Meistens gibt es etwa zwei Mona­te vor der Gottesdienstübertra­gung eine technische und redaktio-nelle Rekognoszierung mit den Verantwortlichen vom SRF. Dazu gehören etwa Beleuchtung, Ton, Kamera, Regie und Produktion. Spätestens bis zu dieser Rekognos­zierung muss klar sein, wer wäh­rend des Gottesdienstes wann und wo redet oder musiziert. Anschlies­send wird festgelegt, was es an Ma­terial braucht und wo die Kameras hinkommen. Wenn auf der Empo­re eine Klarinette spielt oder die So­pranistin singt, dann sollte dies ja auch gefilmt werden.

 

Wie funktioniert das überhaupt, dass jede Kamera weiss, wann sie was filmen muss?

Ich schreibe das Drehbuch, das ist meine Hauptarbeit. Deshalb brau­che ich den definitiven Text aller­spätestens drei Wochen vor der Ausstrahlung. Im Drehbuch ist für jedes gottesdienstliche Element die Minutage festgehalten. Deshalb muss ich genau wissen, an welcher Stelle im Lied die Klarinette ein­setzt und notiere dort den entspre­chenden Hinweis. Während der Übertragung hat allerdings die Re­gie den Lead. Sie sitzt im Übertra­gungswagen und ist mit Technik und Produktion verbunden. Bei­spielsweise legt die Regie die Kame­rawechsel fest und gibt zusammen mit den Redaktionsverantwortli­chen die nötigen Anweisungen an das gesamte Team vor Ort.

 

Was machen Sie, wenn es Pannen gibt?

Irgendetwas passiert immer. So ha­be ich schon erlebt, dass plötzlich jemand krank wird oder zwei Mi­nuten vor Gottesdienstbeginn der Strom ausfällt. Zum Glück aber sind die grossen Worst Case-Szena­rien bislang ausgeblieben.

 

Merken Sie den Spardruck bei SRF?

Durchaus. Eine Gottesdienstüber­tragung ist eine aufwendige Ange­legenheit. Rund 20 bis 25 Mitarbei­tende vom SRF sind involviert. So haben wir aus Kostengründen an­gefangen, einen Gottesdienst pro Jahr aufzuzeichnen. Eine solche Vorproduktion ist deutlich güns­tiger als eine Live-Übertragung. Trotzdem: Das Gefühl, dass jetzt sehr viele Menschen, ob in der Kir­che oder zuhause, miteinander fei­ern, ist bei einer Konserve nicht möglich. Meine Sorge beim Spa­ren ist, dass wir ein althergebrach­tes Bild von Kirche vermitteln, weil das am günstigsten ist.

 

So ein Fernsehgottesdienst ist auch eine Art der Verkündigung, oder?

Absolut. Das ist ein ganz wichti­ger Teil des Kerngeschäfts der Kir­che. Mein grosser Dank geht an das Team der Kirchgemeinde Aarau, dass es sich auf eine solche Heraus­forderung eingelassen hat!

 

 

Andrea Aebi ist Pfarrerin und Radio- und Fernsehbeauftragte der Refor­mierten Medien. Die Reformierten Medien sind das Medienhaus der evangelisch-reformierten Kantonal­kirchen der Deutschschweiz und der Evangelisch-methodistischen Kirche. Sie ermöglichen kirchliche Mitwirkung in Radio und Fernsehen aufgrund einer vertraglichen Ver­einbarung mit dem Schweizer Radio und Fernsehen SRF.

Gott schuf die Zeit. Von Eile hat er nichts gesagt.

31.10.2025 – Melanie Moor

 

«Zeit haben», «sich Zeit nehmen», «Zeit ist Geld», «die Zeit bleibt stehen», «die Zeit rennt davon» – kaum ein anderes Wort kommt so oft in Sprichwörtern und Re­dewendungen vor wie «Zeit». Und doch fehlt sie ständig im All­tag.

 

An der Migros-Kasse kann man bewusst wählen: normale Kasse oder Selbstbedienung. Zeit spa­ren oder Zeit lassen. Meistens entscheide ich mich für die schnelle Variante, obwohl ich gar keine Eile habe. Ein Reflex? Viel­leicht ein Spiegel unserer Gesell­schaft, in der Schnelligkeit und Effizienz über allem stehen. Wir zählen Minuten, planen Termine, optimieren Abläufe – und verlie­ren dabei manchmal den Sinn da­für, was eigentlich zählt.

 

An der Bürotür von meiner Kol­legin und mir steht der Satz: «Man kann viele Menschen kaum mehr irritieren als mit dem Satz: ‹Ich habe Zeit.›» Zeit zu haben ist beinahe ein Luxusgut geworden. Wer sie verschenkt, schenkt et­was Wertvolles. Ein Besuch bei einer Freundin, ein gemeinsamer Kaffee ohne Blick aufs Handy, ein Nachmittag mit den Kindern im Wald – das sind die Momente, in denen Zeit sich plötzlich dehnt, in denen sie nicht ver­rinnt, sondern ausgefüllt ist, so­gar erfüllt.

 

Das Café heiss+heilig bietet eine Plattform, um dieses Geschenk spürbar zu machen. Die Freiwil­ligen und Mitarbeitenden neh­men sich bewusst Zeit für die Gäste – sei es für ein Gespräch, ein Lächeln oder einfach vor Ort zu sein. Auch mein Arbeitsalltag hat sich spürbar verändert: Ich verlasse meinen Schreibtisch häufiger, lasse mich auf Begeg­nungen ein – ja, nehme mir be­wusst Zeit.

 

Im Buch Prediger heisst es: «Al­les hat seine Zeit» (Pred 3). Ge­burt und Tod, Weinen und La­chen, Schweigen und Reden. Für mich steckt darin eine befreiende Erkenntnis: Ich muss die Zeit nicht beherrschen, sie bleibt Ge­schenk. Und wenn ich sie teile, wächst und verwandelt sie sich – in Begegnung, in Beziehung, in Leben.

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